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bis 1939

Geschichte bis 1939

Historische Dokumente belegen, dass in Paris bereits im 17. Jahrhundert katholische Gottesdienste in deutscher Sprache gehalten wurden. Im Jahr 1627 wurde eine „Société Catholique des Nations Flamande et Allemande“ gegründet, die ihren Sitz in der Kirche Saint-Hippolyte auf dem Faubourg Saint-Marceau hatte. Bereits 1626 hatte König Ludwig XIII. den „Nations Belgiques et Teutoniques“ auf Bestreben der Herzogin von Brabant diese Kirche zugewiesen, damit diese dort Gottesdienste in ihrer Sprache abhalten konnten. Da die Kirche jedoch weit außerhalb der damaligen Stadtgrenzen von Paris gelegen war, zog die Société 1631 nach Saint-Germain-des-Prés um. Dort lassen sich deutsche Gottes­dienste bis zum Jahr 1718 nachweisen. Ob die Société danach aufgelöst wurde oder erneut umgezogen ist, ist nicht mehr nachvollziehbar.

Allerdings gab es nachweislich auch noch im 18. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution deutsche Predigten in verschiedenen Kirchen in Paris. Diese fanden in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts vor allem bei den Kapuzinern in der rue Saint-Honoré statt.

Anfang des 19. Jahrhundert kam es auf Grund der schwierigen wirtschaftlichen Situation in den noch immer zersplitterten deutschen Fürstentümern zu einer massiven Wanderbewegung nach Frankreich. Viele Handwerker und Arbeiter, besonders aus West- und Südwestdeutschland, kamen nach Paris, um dort Arbeit zu finden. Sie waren hier gern gesehene Arbeiter und Handwerker. Im Jahre 1853 waren nach amtlichen Dokumenten etwa 100 000 Menschen deutscher Sprache in Paris, weit mehr als heute. Und sie lebten in oftmals schlechten sozialen Situationen. Ein Umstand, der einen wichtigen Anteil daran hatte, dass immer wieder Versuche unternommen wurden, eine eigene Seelsorge für diese Menschen aufzubauen.

Um das Jahr 1825 begann ein deutscher Priester, Pater Bervenger, wieder mit deutschen Gottesdiensten in verschiedenen Kirchen von Paris. Allerdings wurde sein Wirken durch den Ausbruch der Julirevolution 1830 bereits frühzeitig wieder beendet.

Am 12. November 1837 wandte sich Abbé Joseph Axinger mit dem Auruf „en faveur des pauvres Catholiques Allemands de la Capitale“ an die Bevölkerung und bat um Unterstützung für die von ihm im selben Jahr gegründete St. Bonifatius-Mission. Er wurde daraufhin mit der Seelsorge der deutschsprachigen Katholiken in Paris beauftragt, allerdings ohne einen festen Versammlungsort, geschweige denn ein eigenes Gotteshaus zu haben. Bereits im Jahre 1840 musste Abbé Axinger Paris allerdings gesundheitsbedingt verlassen, doch wurde sein Werk vom Jesuitenorden fortgeführt.

Im Jahre 1848 wurde dem Jesuitenpater Joseph Chable die nun sogenannte „Mission Catholique de Langue Allemande“ übertragen. Zunächst führte er die Gottesdienste in der Kapelle des Ordenshauses der Jesuiten in der rue des Postes (heute rue Lhomond) weiter. Als er jedoch sah, dass die Not der deutschsprachigen Bevölkerung in der Vorstadt La Villette (heute 19. Arrondissement) noch größer war als auf dem Rive Gauche, beschloss er, dorthin umzuziehen.

Im Herbst 1850 zog Pater Chable nach La Villette um und richtete in einem leerstehenden Warenmagazin eine provisorische Kapelle ein, die am 8. Dezember 1850 eingeweiht werden konnte. Neben der Kapelle wurden außerdem in zwei einfachen Räumen eine Mädchen- und eine Jungenschule eingerichtet, die von Borromäerinnen bzw. Brüdern geleitet wurden. Pater Chable suchte allerdings weiter nach einem geeigneten Grundstück, um dort ein Zentrum mit Kirche und Schulen zu errichten. Er fand unweit von La Villette in der Nähe des Kanal Saint-Martin ein 4000 m² großes Areal, das er für 115 000 Franc erwarb. Dort errichtete er, da für einen großen Kirchenbau erst einmal die Mittel fehlten, zusammen mit den Gemeindemitgliedern eine kleine Holzkirche, die am 28. September 1851 eingeweiht werden konnte.

In den Folgejahren konnte ein Wohnhaus für die Jesuitenpatres, die Brüder und die Borromäerinnen gebaut werden (1856) und auch die Bauten für die Jungen- (1862) und Mädchenschule (1864) wurden vollendet. Pater Chable erlebte diese letzten jedoch genauso wenig wie den Bau der Kirche St. Joseph-des-Allemands. Er starb am 11. April 1859 an innerer Entkräftung.

Sein Nachfolger wurde Pater Auguste Modeste, der ihn bereits seit 1850 beim Aufbau der Gemeinde unterstützt hatte. Unter seiner Leitung konnte der Neubau der Kirche 1865 in Angriff genommen werden. Nach nur zehnmonatiger Bauzeit wurde die Kirche am 22. April 1866 eingeweiht. Die Fenster des Chores wurden übrigens vom österreichischen Kaiserpaar Franz-Joseph und Elisabeth gestiftet. Sie zeigen daher auch die Namenspatrone des Kaisers (Hl. Franz von Assisi und Hl. Joseph) und der Kaiserin (Hl. Elisabeth von Thüringen) sowie das Wappen des Hauses Habsburg-Lothringen.

Damit war das religiöse Zentrum fertig gestellt und die Mission erlebte ihre größte Blütezeit. In den folgenden Jahren bestand das Missionspersonal aus 15 Jesuiten, 8 Brüdern und 10 Borromäerinnen. Allerdings war auch diese Blüte nur von kurzer Dauer, denn bereits vier Jahre später, am 19. Juli 1870, brach der Deutsch-Französische Krieg aus.

Viele Deutsche verließen darauf Paris und Frankreich, doch wurden sie nach dem Krieg von deutschsprechenden Elsässern und Luxemburgern ersetzt. Die Mission bestand also auch weiterhin fort. 1905 wurden die Kirche und die anderen Gebäude im Zuge der Laizisierung vom Staat konfisziert, doch konnte der Jesuitenpater Prinz Max von Sachsen die Gebäude im Jahre 1910 wieder zurückkaufen.

Als jedoch der 1. Weltkrieg ausbrach verließen fast alle verbliebenen Deutschen und Österreicher Frankreich und die Gebäude wurden unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Zwangsverwaltung dauerte bis 1924. Prinz Max von Sachsen trat die Gebäude bereits 1922 an die Diözese Paris ab. Zu diesem Zeitpunkt war die Mission eigentlich nur noch von deutschsprechenden Luxemburgern besucht, so dass sie nun zur „Mission en faveur des Luxembourgeois et des étrangers de langue allemande“ wurde. 1958 wurde die Luxemburger Mission zur Pfarrei und in St. Joseph-Artisan umbenannt, die seit 1991 nun eine französische Gemeinde ist.

Die „Mission Catholique de Langue Allemande“ wurde von Pater Heinrich Ritter ab dem Jahr 1926 in der Eglise des Etrangers, 33 rue de Sèvres im 6. Arrondissement fortgeführt. Ihm folgte im Jahre 1934 Abbé Franz Stock, der zunächst versuchte, die alte Mission im 10. Arrondissement zurück zu erwerben. Als diese Pläne jedoch scheiterten erwarb er in der 21-23 rue Lhormond zwei Gebäude, um dort das Zentrum der Gemeinde mit Kapelle und ein Mädchenwohnheim zu errichten. Die Sonntagsgottesdienste fanden jedoch weiterhin in der Eglise des Etrangers statt.

Die Gemeinde war durch die Flucht von etwa 25 000 Deutschen vor den Nationalsozialisten wieder zu einer stattlichen Größe gewachsen. Abbé Stock kümmerte sich jedoch nicht nur um die Deutschen in Paris, sondern auch um polnische Flüchtlinge, die hier keinen Pfarrer hatten, der ihre Sprache sprechen konnte. Abbé Stock selbst hatte von 1932 bis 1934 während seiner Seelsorgetätigkeit in Dortmund-Eving Polnisch gelernt.

Doch aus diese Zeit währte wieder nur ein paar wenige Jahre, denn kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges kam am 26. August 1939 um 0:30 Uhr die Anweisung der Botschaft, alle Bewohner des Hauses in der Rue Lhomond hätten Paris mit dem ersten Zug in der Frühe zu verlassen.