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Johannes Kienzler (2016 - 2017)

Liebe Mitglieder der Gemeinde St. Albertus Magnus!

Kaum zu glauben, aber es ist nun einmal so: Mein Freiwilliges Soziales Jahr in Ihrer Pariser Gemeinde geht bald zu Ende. Ich möchte diesen Anlass nutzen, um auf die vergangenen Monate zurückzublicken und mich zu bedanken.

Als ich Ende August des vergangenen Jahres die sprichwörtliche „Komfortzone“, den Wohlfühlbereich, die überschaubare Stadt im Ostalbkreis, das fürsorgliche Elternhaus, den geregelten Tagesablauf verlassen und mich in die Weltmetropole Paris begeben habe, war ich mir unsicher: Ich kannte niemanden, wusste nicht, wie meine Mitbewohner sein würden, ob und wie ich in die Gemeinde passen würde, und ich tat mich auch mit der Sprache noch schwer. Doch genau für diese Ausgangssituation bin ich im Nachhinein dankbar, denn gerade das Unsichere, das Ungewohnte, das Neue stellte die große Herausforderung für mich dar. Keine meiner Sorgen und Befürchtungen wurde Realität, alles hat sich gut gefügt!

Ja, ich hatte von Anfang an Glück: Sie, die Menschen in der Gemeinde waren sehr offen und freundlich zu mir. Ich denke an viele kleine Begegnungen, an Gespräche und Einladungen, in denen Sie mich in Ihr Leben hinein nahmen, an manch aufmunterndes Wort und manch kleines Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung. Ich denke an die schönen Gottesdienste nicht nur an Weihnachten und Ostern, an verschiedene Feiern und Feste, in denen wir unseren Glauben feierten und in denen ich mich als Mitglied der Gemeinde erleben durfte. Es war bereichernd für mich, ein Teil dieser besonderen Gemeinde für ein Jahr zu sein und mit Ihnen feiern, trauern und arbeiten zu dürfen. Vielen herzlichen Dank dafür!

Mein erster „Arbeitgeber“, Pfarrer Sedlmeier, teilte mir zwar die Arbeit zu, er war aber viel mehr als ein Vorgesetzter, denn er hatte stets ein offenes Ohr für die Lebensumstände, die Fragen und Probleme „seines Zivis“.

Interessant war für mich zu sehen und zu erleben, wie sich eine Gemeinde mit dem ihr vorstehenden Pfarrer verändert. Pfarrer Sedlmeier verließ die Gemeinde ja mitten in meiner Dienstzeit, und nach nur einem Monat Vakanz kam Pfarrer Hirlinger in die Gemeinde. Spannend war mit anzusehen, wie sich durch die unterschiedlichen Persönlichkeiten, einen anderen Arbeitsstil und andere Schwerpunkte vieles in der Gemeinde zu ändern begann. Auch diese Erfahrung schätze ich und danke dafür. Schließlich möchte ich auch der Pfarrsekretärin Beate Gahr-Beuzelin danken, die mir bei der Büroarbeit, aber auch bei der Organisation lebenspraktischer Dinge mit Rat und Tat zur Seite stand.

Das Zusammenleben mit meinen wechselnden Mitbewohnern habe ich sehr genossen. Wir haben miteinander gekocht, gegessen, gefeiert, diskutiert – und manchmal auch gestritten. Aber am Ende haben wir uns immer wieder perfekt verstanden.

Jenseits dieser Erfahrungen war dieses Jahr für mich eine sehr lehrreiche und gewinnbringende Zeit. Vieles konnte ich hier ausnutzen, so war ich zum Beispiel gefühlt jede Woche einmal im Louvre, einem anderen Museum oder einer Ausstellung und in unterschiedlichen Konzerten. Ich habe regelmäßig mein Französisch in der Sprachschule und in Konversationsstunden, die mir ein Gemeindemitglied so großzügig anbot, verbessert, und ich konnte, wann immer es meine Zeit zuließ, Sport treiben. Dank all dieser Erfahrungen bin ich in diesem Jahr gewachsen und gereift . Ich weiß nun nicht nur mein Geld einzuteilen, um über den Monat zu kommen, nicht nur wie man eine Waschmaschine anstellt und Lachsnudeln zubereitet… Ich bin mir nun auch darüber im Klaren, was ich mit meiner Zukunft anfangen und welchen Studiengang ich wählen möchte: Bestärkt durch Praktika in Kanzleien zweier Gemeindemitglieder möchte ich im Herbst ein Jurastudium aufnehmen. Es fällt mir schwer, Paris, Sie und Ihre Gemeinde zu verlassen, in der ich mich inzwischen heimisch fühle. Andererseits freue ich mich natürlich nun auf ein neues Kapitel in meinem Leben, auf das ich neugierig bin. Nach einem Jahr Paris fühle ich mich dafür bestens gerüstet.

Ihnen, die Sie in dieser großartigen Stadt bleiben, wünsche ich von Herzen alles Gute und sage Ihnen nochmals von ganzem Herzen „Danke und vergelt’s Gott!“ für Ihre Unterstützung, Ihre Fürsprache in schwierigeren Phasen und Ihr freundschaftliches Miteinander.

Auf Wiedersehen und au revoir!
Ihr Johannes Kienzler