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Bild zu Geschichte
ADiA

Lukas Langner (2013 - 2014)

Liebe Mitglieder der Gemeinde St. Albertus Magnus,

Es war einmal ein sonniger Spätsommertag am Ende der Sommerferien. Paris war wie immer um die Zeit: In den Straßen spürte man noch nichts vom Trubel der Rentrée, die Franzosen kosteten die letzten Tage auf dem Lande voll aus, nur ein paar Touristen besichtigten eifrig die französische Hauptstadt. Dieses Bild zeigte sich mir, als ich antrat, um mich vom Alt-ADiA einlernen zu lassen und meinen einjährigen Freiwilligendienst in der Gemeinde zu beginnen. Voller Tatendrang und Neugier, das Abi frisch in der Tasche, wollte ich in diesem Jahr viel erreichen – und fiel zunächst auf die Nase. Als die Euphorie des Neubeginns, die Freundlichkeiten der Begrüßung und allgemein die erste Zeit vergangen waren, machte sich bei mir zunächst Ernüchterung breit. Ernüchterung über die kleinen und großen Niederlagen des Alltags, Ernüchterung über selbstgemachte und fremdverschuldete Rückschläge, Ernüchterung über die Ohnmacht des kleinen Mannes in der Großstadt.

Im Nachhinein betrachtet gestaltete sich mein Start in das Leben als Freiwilliger in Paris zwar als holprig, jedoch als äußerst nützlich in einem daraus resultierenden Selbstfindungsprozess. So lernte ich, meine Begabungen und Fähigkeiten in das Gemeindeleben zu integrieren, lernte, mein Leben symbiotisch in das des Hauses einzufügen und die Bedürfnisse der Menschen, mit denen ich zusammenarbeitete, zu verstehen und auf sie einzugehen. Schon bald sah ich unliebsame, kleine Arbeiten nicht mehr als Schikane, sondern verstand, auch unliebsamen Dingen ihr Gutes abzugewinnen. Trotz eines sehr tristen Winters (der in diesem Jahr auch noch angenehm ausgefallen sein soll), mochte ich schon bald die Arbeit und freute mich natürlich, sie in einem solch traumhaften Umfeld ausüben zu dürfen. Besonders angetan haben es mir Botendienste und Hausbesuche, bei denen ich so viele interessante Menschen kennenlernen durfte, wie auch die zahlreichen „Verres d’Amitié“ und Gemeindefeste, die mir jedes Mal Zeugnis eines wunderbaren Gemeindegefühls waren.

Ich werde die gegenseitige Vertrautheit – „wie in einer kleinen Dorfgemeinde“ – als Kontrast zur Kühle der großstädtischen Anonymität und als „Insel der Heimat und Sicherheit“ sehr vermissen. Hervorheben möchte ich dabei die Diversität der Gemeinde: hier trifft ein Mitarbeiter der Botschaft auf den Arbeitssuchenden, der stolze Familienvater auf die einsame Frau, die von der eigenen Familie keinen Rückhalt bekommt. Und alle stehen als Menschen vor Gott, mit ihren eigenen Sorgen, seien sie trivialer oder sehr ernsthafter Natur.

Da ich als Organist in Deutschland bereits (über die Grenzen der Konfessionen hinweg) einige Gemeinden kennenlernen durfte, erscheint mir der Aspekt des gelungenen Gemeindelebens als Kontrast zu anderen Gemeinden, die ich kenne, besonders wertvoll und betonungswert. So bedanke ich mich bei der Gemeinde und beim Pastoralteam, mir eine so schöne, erkenntnisreiche Zeit bereitet zu haben. Nun beginnt für mich ein wiederum fremder Abschnitt, dem ich gespannt entgegengehe. Ab diesem Wintersemester studiere ich Medizin und hoffe, später noch einmal längere Zeit in Paris verbringen zu können.

Herzliche Grüße,
Lukas Langner